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Quirina

Autor: Franz Locher Datum der Veröffentlichung: 21.2.2011

 

Am Montag , den 18.April 1994 um 8.10 Uhr, kurz vor ihrem 15. Geburtstag , stand QURINA nicht mehr von Ihrem Lager auf. Als ich hinzu kam , lag sie ganz ruhig auf der Seite und mit einem letzten Atemzug starb sie in meinen Armen. Erschüttert und tief bewegt liebelte ich sie ein letztes mal und schloss ihr für immer die Augen. Mit QUIRINAS Tod endet für mich ein Stück Pointergeschichte und während ich bei ihr knie, eilen die Gedanken weit zurück und wie in einem Film ziehen die einzelnen Lebensstationen QUIRINAS an mir vorbei.

 

Auf dem Inselhof von Hüttenberg wurde sie am 28.05.79 gewölft. Von allen Welpen des Wurfes war sie im Alter von acht Wochen die hässlichste und ich als unbekannter Anfänger, in der damaligen Pointer-Szene  , konnte ich nur diese , sonst keine bekommen. Obwohl ich mich lieber für einen anderen Welpen entschieden hätte, zögerte ich nicht lange und nahm das pummelige, kleine Pointerkind unter den Arm und fuhr stolz damit nach Hause.

Dort war der Zwinger schon hergerichtet. Aber oh Schreck, als QUIRINA  alleine bleiben sollte, quittierte sie dies mit tagelangem Heulen und Bellen, mit einer Hartnäckigkeit, die ich bis dahin noch bei keinem Welpen erlebt hatte.
Sie wurde schon ganz heiser und wollte ich es mit den Nachbarn nicht verderben, musste ich sie aus dem Zwinger nehmen. Nun war guter Rat teuer. In der Wohnung konnte sie auch nicht bleiben, denn sie betrachtete alle Schuhe, Teppiche und Stuhlbeine als Knochen. Schließlich richtete ich ihr einen Schlafplatz auf der Terrasse her und im anschließenden  Garten konnte sie sich frei bewegen.
Von diesem Zeitpunkt an war Ruhe, allerdings verloren die Ziersträucher einiger  ihrer Blätter und der Rasen sah zeitweise aus, als wäre eine Kompanie Maulwürfe über ihn hergefallen.

Mein Hundchen gedieh prächtig und bei jeder Gelegenheit nahm ich es mit ins Feld. Doch hier erlebte ich die nächste Überraschung. Kaum erwischte sie einen Hauch Wildwitterung war Herrchen vergessen; da half kein Rufen oder Verstecken, wie die wilde Jagd ging es auf und davon. Solch ein Interesse an Wild ( Wildbiss ) hatte ich bis dahin noch bei keinem anderen Jagdhund erlebt. Überhaupt entwickelte sie ein Temperament welches erstaunlich war und weil sie zu Hause ständig zu neuen Späßen und Unfug aufgelegt war, bekam sie den Rufnamen  „TRIXI“. Wir gingen immer öfter zum Trainieren, und mit zunehmenden Alter wurde „TRIXI „ immer besser und es war eine Freude, ihr bei den Gängen zuzusehen.
Die Zeit verging und es nahte der Tag, an welchem  „TRIXI“ auf ihrer ersten Prüfung laufen sollte. Es war die Jugendsuche des Vereins für Pointer und Setter. Am Ende war sie durchgefallen, weil sie zweimal Hühner schmiss. Ich war trotzdem zufrieden, denn sie zeigte die beste Suche in ihrer Gruppe. Es folgten viele Prüfungen. Manche ohne Erfolg, aber auch Suchen auf denen sie ganz vorne platziert war.
Unvergessen sind die herrlichen Ergebnisse die ich mit TRIXI als fertigen Hund hatte. Sei es beim Frühjahrstraining im Paarhühnerfeld, oder auf den In- und Ausländischen Field Trials und großen Suchen.

Auf den Frühjahrssuchen und Grande-Quete des EPCS konnte sich TRIXI zum Beispiel vier Jahre hintereinander von 1981-1984 zweimal an erster Stelle TRES BON und zweimal an zweiter Stelle EXCELLENT CAC- CACIT-Res. platzieren.  Als ob es gestern gewesen wäre, sehe ich den riesigen Gang beim EUROPAPOKAL im selben Jahr in Sermaise. Sie lief damals mit JAGA die Veronella , geführt von Gino Botto . Hätte ich damals etwas mehr vom Führen verstanden, QUIRINA hätte alle Chancen gehabt.

Ebenfalls in guter Erinnerung ist mir der EUROPACUP von April 1984 in Dänemark. Leider musste die Prüfung-  begonnen in Revieren mit sehr gutem Hühnerbesatz in Meeresnähe gelegen – wegen dichten Nebels abgebrochen und ins Binnenland verlegt werden.

Dort war zwar kein Nebel, aber wie sich später herausstellte, gab es auch keine Hühner. Die damalige Partnerin von QUIRINA war die ESH ISLAINE von Jean-Marie Pilard, Frankreich. Alle die damals dabei gewesen sind, können sich bestimmt noch an diese grandiosen Gänge erinnern.

Vom Schnallen an beginnen beide Hunde sehr systematisch, ohne sich gegenseitig zu stören. Mit enormen Tempo über die riesigen Weizenschläge, nach Hühnern suchend. In der zehnten Minute. steht ISLAINE ohne Resultat und QUIRINA sekundierte in großer Entfernung. Beide Hunde beenden den Gang in brillanter Manier und bekommen einen Wiederaufruf.

Drei Paare will man noch einmal sehen: ESH ISLAINE / PH QUIRINA – ESR EMO/ ESR DITO, beide Italien-  PR NEIGE/ ESH TAIGA von Poidevin, Frankreich und Baldoni, Italien. ISLAINE und QUIRINA beginnen und zeigen den schönsten Gang des Tages. ISLAINE mit großem Setter-Stil und QUIRINA in typischer Pointer Art weit und kontrolliert mit hoher Kopfhaltung. In der sechsten Minute stand ISLAINE , QUIRINA sekundierte sicher. Doch wieder ohne Resultat. Nach den Gängen zwei und drei des Wiederaufrufs ist es inzwischen  19 Uhr geworden und die Richter entschließen sich , dem eindruckvollsten Paar des Tages noch eine Chance zu geben. Auf einem Saatfeld kurz vor einem Dorf zeigen die beiden Hunde noch einmal ihr ganzes Können, finden jedoch keine Hühner. QUIRINA bekommt für ihre Leistung, 3 Gänge ohne Fehler , einen Trostpreis.

Viel Freude hatte ich mit QUIRINA auch im Herbst unter dem Anwarter-Falken. Auf vielen internationalen Tagungen hatte sie ihr Können gezeigt und so manchen sicheren Flug für die Beizvögel ermöglicht.

Ihre letzten Jahre verbrachte QUIRINA im Haus und Garten und ich werde nie ihre Blicke vergessen, wenn es im Frühjahr mit anderen Pointern zum Training ging, oder wenn ich im Herbst den Falken auf die Faust nahm.

Inzwischen ist QUIRINA bestimmt in den ewigen Jagdgründen angekommen, dort wo es sicher noch unendliche, weite Flächen mit vielen Hühnern gibt und die Freiheit grenzenlos sein wird, wie es GRAZY-HORSE  in den weiten Nordamerikas erlebt hat.

Alle die QUIRINA kannten , werden sicher Verständnis für meine persönliche Ausführung haben.

 

 
 
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